Niklas Delacroix, Jubiläumsausstelllung 50 Jahre Malerei, mit „Wächter des Körpers“

Figurative Elemente sind immer wieder von abstrakten Formgebilden durchsetzt. Es gibt wüste, geradezu orgiastische Darstellungen voller Energie, voller Widersprüche, voller Brüche. Collage spielt in seinem Oeuvre eine wichtige Rolle. Eklektisch wirkt das allerdings nicht, sondern die so heterogenen Ausflüge in halb bekannte, halb unbekannte Territorien zeichnen sich durchweg durch Neugier, Bewunderung, aber auch Souveränität und ein hohes Maß an Abgeklärtheit aus. Genau darin ist bei Delacroix auch das Ehrliche seines Arbeitens und Ringens zu sehen. Hier wird nicht mit falschen, gezinkten Karten gespielt, hier wird dem Betrachter nicht eine ferne Idylle vorgegaukelt, hier wird nicht einfacher Ausstieg proklamiert. Ganz im Gegenteil – die Arbeiten, oft rasch hingeworfen, mit Verve realisiert und voller Flüchtigkeiten zur Erscheinung gebracht, bleiben im Hier und letzt verankert, bieten keine fragwürdigen Auswege, suggerieren keine Tröstungen. So rücksichtslos vieles auf den Blättern des Künstlers erscheinen mag, so wenig sorgsam der Umgang mit den eigenen Werken auch anmutet, eines teilt sich ganz direkt mit. Hier ist Ehrlichkeit am Werk und eben keine Attitüden, keine Tricks, keine Schaumschlägereien. Es gibt, mit anderen Worten, einen starken substanziellen Kern. Dass das alles aber, was hier nur grob skizziert bzw. angedeutet werden konnte, eine solide intellektuelle Basis hat, lässt sich aus den Schriften, den Kritiken und den Interviews von Niklas Delacroix erschließen. (Auszug)

Prof. Dr. Armin Zweite, München


Niklas Delacroix: Christuskopf, Monotypie

Niklas Delacroix, der Maler und Schreiber, ist einer der vielseitigsten, komplexesten Künstler, in Abstraktion und Figuration gleichermaßen zuhause. Sein Grundthema in Malerei, Zeichnung, Fotografie und 50 Künstlerbüchern ist das Menschenbild und seine Auflösung. Flüchtige Aquarelle in -gerade noch kontrollierter- Ausschweifung. Andererseits das beseelte Konzept. Härte. Wortfetzen. Spritzpistole. Anspruch und Herausforderung der Quantenphysik lässt den Künstler auf seiner Suche nach der alten Einheit und Ganzheit ins Mythische, Magische, Mystische zielen. Im Verlust unseres Egos, in der Illusion unseres autonomen Individuums,baut er seinen Widerspruch gleich mit ein. Delacroix zieht geläufige Darstellungsrahmen, gängige Zuweisungen kultureller Identität in Zweifel. Sein Changieren von Realität und Simulation, sein amüsantes Decodierspiel gibt Aufschluss über die Natur von Wahrnehmung und ihres Wirkungsmechanismus. Er bietet die aktive Vermittlungsstrategie einer umfassenden Analyse immanenter Kunstcodices, ja der Grundlage des ästhetischen Prozesses selbst. (Auszug)

Prof. Dr. Wieland Schmied, München


http://nicodelacroix.de/wp-content/uploads/2018/04/Wohlige-Rundung.pdf

In seinem Münchner Kelleratelier türmen sich die Zeichnungen: Wildbewegte Figurationen von menschlichen Figuren, Tieren und Pflanzen. Geschlechtsteile streben als reife Früchte einander zu, Körper verdichten sich zur Einheit. Sonnen und Monde durchdringen sich. Alles will eines: Oben und Unten, Innen und Außen, Männlich und Weiblich, Mitte und Entfaltung … Thema und Ziel des Münchner Malers Niklas Delacroix (der gerade mit Martin Disler und Lüpertz eine Ausstellung in der Galerie Kampl hatte) ist die panerotische Sinnlichkeit. Auch hier die Grunderfahrung nach Einheit und Ganzheit. Dabei sind seine Bilder immer ein Stück Vexierspiel, die eine bildnerische Situation nicht abschließen, sondern erst eröffnen. Die kraftvoll schwingenden Hinterbacken einer Frau, der mächtig ausladende Schritt einer jungen Kuh oder der schwungvolle, länglich schwellende Walkörper. Es geht um Standfestgkeit, Erdung, aber zugleich auch um Schwerelosigkeit, um das Schweben, ja um Transzendenz. Gefordert wird Erdung und zugleich Antenne, das freie Strömen des Ursprungs. Das Runde als das Gesunde. Hier liegt in der Spannung und Lockerung das getreue Abbild des Lebensprozesses, der Atem des Lebens selbst. Wir wissen: Das Reale ist das Verdeckte. Auf Entdeckung kommt es an. Die Aufdeckung unserer Körperkugeln, unserer köstlichen Körperlöcher, die uns erfüllen, könnte unselige Trennungen überwinden. Der Hintern als Beweger des menschlichen, fleischlichen Kosmos. Der volle Doppelmond, la lune, als weibliches Geschlecht, als Symbol, das seine Kräfte freisetzt gegen die abstrakte Institution, gegen unsere verkrüppelte Normalität, gegen unsere oberschlaue Juristenrealität. Delacroix geht es um die Entwicklung einer neuen Rationalität am Genuss des Weichen, Runden, um die Verschmelzung von Geist und Fleisch. Er weiß, die Evolution hat uns die bedrohliche Kernspaltung beschert. Besinnen wir uns wieder auf unsere natürlichen Spalten und Grüfte als Quell einer neuen, befreiten Lebenslust eines gesteigerten und verfeinerten Daseins. Die Aktion „Der Kreole sucht die Frau im Sonnenaufgang, im Strömen des Flusses, in der Rinde des Brotes“ spürt seine sehr persönlichen Formen auf. Delacroix: „Der neue Mensch will transzendieren, sich selbst befruchten und empfangen. Das Kind des künftigen Geistes, in der Vereinigung der Gegensätze aufs Beste und Wunderbarste eingerichtet, wird uns in Überfluss und Kindlichkeit die Bilder der Inbrunst zeigen …“ (Auszug)

Prof. Dr. Harald Szeemann


 

                               

Niklas Delacroix, 180 x 150; Öl auf Leinwand, 1996. Ausstellung: „Artisten in der Zirkuskuppel: Ratlos“, Staatliche Kunsthalle München, Lothringer Straße.

Ausstellungen

 

AssemPlage. Der Strand des Künstlers

Der Künstler als armer Hund

Gender Studies

Ganz normale Mörder

Raum-Zeit (Kalenderblätter)

Geist und Fleisch

Go No Go Area

American Journey

Aktion Lebensborn

Berliner Mauer

Brusberg Dokument 22

Form Mensch

Form Mensch II

Form Mensch III

Form Mensch IV

Frühe Scherze (Aquaschnell)

Go East!

Mir San Mir

Hap Nix Kann Nix Bin Nix

How To Make Art

Kreuzzug

Eure Armut kotzt mich an!

Aktion ‚Total‘