Figurative Elemente sind immer wieder von abstrakten Formgebilden durchsetzt. Es gibt wüste, geradezu orgiastische Darstellungen voller Energie, voller Widersprüche, voller Brüche. Collage spielt in seinem Oeuvre eine wichtige Rolle. Eklektisch wirkt das allerdings nicht, sondern die so heterogenen Ausflüge in halb bekannte, halb unbekannte Territorien zeichnen sich durchweg durch Neugier, Bewunderung, aber auch Souveränität und ein hohes Maß an Abgeklärtheit aus. Genau darin ist bei Delacroix auch das Ehrliche seines Arbeitens und Ringens zu sehen. Hier wird nicht mit falschen, gezinkten Karten gespielt, hier wird dem Betrachter nicht eine ferne Idylle vorgegaukelt, hier wird nicht einfacher Ausstieg proklamiert. Ganz im Gegenteil – die Arbeiten, oft rasch hingeworfen, mit Verve realisiert und voller Flüchtigkeiten zur Erscheinung gebracht, bleiben im Hier und letzt verankert, bieten keine fragwürdigen Auswege, suggerieren keine Tröstungen. So rücksichtslos vieles auf den Blättern des Künstlers erscheinen mag, so wenig sorgsam der Umgang mit den eigenen Werken auch anmutet, eines teilt sich ganz direkt mit. Hier ist Ehrlichkeit am Werk und eben keine Attitüden, keine Tricks, keine Schaumschlägereien. Es gibt, mit anderen Worten, einen starken substanziellen Kern. Dass das alles aber, was hier nur grob skizziert bzw. angedeutet werden konnte, eine solide intellektuelle Basis hat, lässt sich aus den Schriften, den Kritiken und den Interviews von Niklas Delacroix erschließen. (Auszug)

Prof. Dr. Armin Zweite, München


Foto Dali, 1972, Cadaques

Der Maler und Schreiber, ist einer der vielseitigsten, komplexesten Künstler, in Abstraktion und Figuration gleichermaßen zuhause. Sein Grundthema in Malerei, Zeichnung, Fotografie und 50 Künstlerbüchern ist das Menschenbild und seine Auflösung. Flüchtige Aquarelle in -gerade noch kontrollierter- Ausschweifung. Andererseits das beseelte Konzept. Härte. Wortfetzen. Spritzpistole. Anspruch und Herausforderung der Quantenphysik lässt den Künstler auf seiner Suche nach der alten Einheit und Ganzheit ins Mythische, Magische, Mystische zielen. Im Verlust unseres Egos, in der Illusion unseres autonomen Individuums,baut er seinen Widerspruch gleich mit ein. Delacroix zieht geläufige Darstellungsrahmen, gängige Zuweisungen kultureller Identität in Zweifel. Sein Changieren von Realität und Simulation, sein amüsantes Decodierspiel gibt Aufschluss über die Natur von Wahrnehmung und ihres Wirkungsmechanismus. Er bietet die aktive Vermittlungsstrategie einer umfassenden Analyse immanenter Kunstcodices, ja der Grundlage des ästhetischen Prozesses selbst. (Auszug)

Prof. Dr. Wieland Schmied, München

 

 

N.D. Wächter des Körpers; 2009 Öl auf Leinwand, 180 x 120